KAPSTADT | Welt-Designhauptstadt 2014 | Teil 1 der 4 tlg. Kapstadt-Serie

KAPSTADT | Teil 1 - Welt-Designhauptstadt 2014

photocredit|  www.wdccapetown2014.com

Kapstadt ist 2014 Gastgeber für über 450 Veranstaltungen rund um Architektur, Stadtplanung, Innenarchitektur, nachhaltiges Design, Industriedesign, Kommunikationsdesign.

Als  Kapstadt zum Jahreswechsel 2013|2014 das neue Jahr begrüßte, feierten die „Capetonians“ auch die  Ernennung ihrer „Mother City“ zur Welt-Designhauptstadt 2014 mit dem Motto:„Live Design and Transform Life“ „Lebe das Design und verändere das Leben.“ 

Logo WDC | photocredit | eclipsepr.co.za

Die Auszeichnung ist Anreiz und Würdigung zugleich: sie honoriert Städte, die Architektur und Design als eine Chance zur Weiterentwicklung nutzen, in dem das kulturelle, soziale und wirtschaftliche Leben nachhaltig verbessert wird.

 

Kapstadt steht damit für mehr als ein Jahr im weltweiten Rampenlicht und ist Plattform und Pilgerstätte für die Kreativen aus aller Welt, die zeitweise dort arbeiten, planen und ihr Wissen mit ansässigen Kreativen interkulturell teilen.

 

Die südafrikanische Stadt konnte sich knapp gegen die Konkurrenten Bilbao und Dublin durchsetzen. Seit 2008 wird diese, inzwischen etablierte, Auszeichnung verliehen. Damals ging sie an Turin, gefolgt von Seoul 2010 sowie Helsinki 2012.

 

Nun ist Kapstadt die vierte Stadt, die den Titel „World Design Capital“, kurz WDC tragen darf. Vor allem schwingt die Hoffnung mit, dass Design in der gebietsweise immer noch geteilten Stadt eine Brücke zwischen Armen und Reichen, Schwarzen und Weißen schlagen kann.

Was ist Design?

Was ist Design? Was macht gutes Design aus? Woran erkennt man gutes Design?
Warum ist Design notwendig?

 

Alles spannende Fragen, und Sie selbst haben sich beim Lesen bereits Ihre eigenen Antworten darauf gemacht. Design ist so vielfältig wie das Jahresprogramm der Stadt selbst.

 

Man ist sich einig: optimales Design verbindet Form und Funktion und wird zu häufig als selbstverständlich betrachtet. Design kann alt oder neu sein, schön oder kontrovers, sichtbar oder unsichtbar. Oftmals hat Design eine gesellschaftliche oder öffentliche Komponente: öffentliche Verkehrsmittel, die öffentliche und private Gesundheitsversorgung, politische Systeme und der Bildungssektor würden ohne entsprechendes Design nicht funktionieren.

 

In anderen Worten bedeutet dies: Design ist eine Sache, die für alle Menschen, ob arm oder reich, ein wichtiger Bestandteil des Lebens ist; der Benutzer von Design steht im Mittelpunkt.

 

Design ist überall, wo wir hinsehen. Die folgenden Fotos zeigen, wie sich jeder an Co-Workshops beteiligen kann, um seine Vision von Lebensqualität mit einzubringen und mehr Bezug zu seinem Stadtviertel zu bekommen:

Co Design Workshops Fotocredit Anrew Brown for www.eclipsepr.co.za

Warum gibt es eine Welt-Designhauptstadt?

Was für Firmen gilt, lässt sich auch auf Städte übertragen: Innovation und Differenzierung sind wichtige Schlüssel zum Erfolg – umgangssprachlich bedeutet dies:

 

Wenn Du Denkst, dass Du Dich auf Deinen heutigen Erfolg verlassen kannst, hast Du bereits verloren, weil Du nicht sehen willst, wie sich die Welt entwickelt, oder weil sich bei dir nichts verändern soll. Das Gebot ist: Achtsam sein, neugierig bleiben, nicht stehen bleiben, schon an den Kunden und die Märkte von morgen denken, anders sein, auffallen, erinnert werden, um Interesse und Begehrlichkeit zu wecken. Nicht zuletzt zählt die Bereitschaft zum Lernen, sich weiter zu entwickeln, aus Fehlern lernen zu dürfen, aber eben nicht stehen zu bleiben.

 

 

Mehr als die Hälfte der Menschheit lebt in urbanen Gebieten – Tendenz steigend. Design ist inzwischen auch zu einem von mehreren Wettbewerbs-Werkzeugen der Städte untereinander geworden, wenn es um die Gunst von Bewohnern als auch um  neue Firmenansiedlungen geht.

 

Im Ergebnis werden designorientierte Städte hinsichtlich Attraktivität, Lebensqualität und wirtschaftlichen Erfolg eindeutig als begehrenswerter als nicht-designorientierte erlebt.

 

Nicht zuletzt sieht sich neben dem privaten Sektor auch die Stadtplanung von steigenden Bevölkerungszahlen durch Landflucht konfrontiert, die bei Infrastruktur und der zu planenden Funktionalität der Stadtteile berücksichtigt werden wollen.

Blick vom Tafelberg auf das Zentrum

Blick vom Tafelberg auf den Lion’s Head

ART DÉCO Architektur Downtown Kapstadt

Straßencafé-Atmosphäre

Kapstadt | Welt-Designhauptstadt 2014

 

Liebevoll von den Capetonians als “Mother City” genannt, schmiegt sich Kapstadt am südwestlichsten Teil Afrikas in die Hügel zwischen der Insel Robben Island sowie rund um den Tafelberg.

 

Eine einmalige geographische Lage, die zweifellos eine der schönsten und spektakulärsten der Welt ist, womit Kapstadt meist auch gleich gesetzt wird. Ich schließe mich dem an, erkenne in der Stadt jedoch noch keine final umgesetzte Stadtplanung. Zu viele Brachen, für Afrika typische Betonbauten, die an alte Belmondo-Filme der 70er erinnern.

 

Sie stören merklich die Pracht einzelner historischer Gebäude und Plätze, die dadurch kaum als zusammenhängend wahrgenommen werden können. Doch die Vision des zukünftigen Kapstadts ist deutlich spürbar. Umsomehr wird sich die Auszeichnung zur Welt-Designhauptstadt 2014 auf das Tempo der innerstädtischen Entwicklung auswirken.

 

Dass die Zukunft längst begonnen hat, zeigen die neuen, keativen Viertel in Green Point, rund um den Somerset Square und rund um das neue Cape Town Stadion, welches Dank der Vision des Hamburger Architekten-Teams gmp von Gerkan, Marg und Partner ein über die WM 2010 hinaus gültiges Design bekommen hat und zu einem neuen Wahrzeichen der Stadt wurde (was auf dem offiziellen Foto eingangs zu sehen ist).

 

In Green Point sind angesagte Architekten, Interior Designer, Webdesigner und alle namhaften internationalen Möbelfirmen ansässig, nebst chicen Cafés, Restaurants sowie Design-Hotels etc.

 

Vor dem Hintergrund, dass Kapstadt seit dem Ende der Apartheid inzwischen auf die dreifache Bevölkerung Manhattans angewachsen ist und knapp 4 Millionen Menschen zählt, wird deutlich, dass dort bereits ein langjähriger Prozess vorausgegangen ist, in dem sich die Einwohner stets neu „einfinden“ mussten.

Maboneng Township Arts Experience – Bildquelle https://www.wdccapetown2014.com

Bis heute ist das Erbe der Apartheid in Kapstadt sichtbar. Die Straße vom Flughafen ins Zentrum führt durch kilometerlange Barackensiedlungen. Sie zeugen von der berüchtigten Group Areas Act, einer Verordnung, mit der das beste Land Kapstadts für die Weißen reserviert wurde.

Der schwarzen Bevölkerung blieben nur die kargen, unwirtlichen Ebenen. Bis heute leben nur relativ wenige Schwarze Bewohner in den besseren Vororten. Die ökonomischen Hindernisse lösen sich zwar schleichend auf, doch viele ziehen es vor, in den ehemaligen Townships zu bleiben, die sich allmählich in mittelständische Wohngebiete verwandeln.

 

Warum Kapstadt? Was bringt der Titel Welt-Designhauptstadt 2014?

Die Stadt mit dem höchsten Lebensstandard Südafrikas hat große Ziele über diesen Event hinaus!

 

Die Bürgermeisterin, Frau Patricia de Lille, hat große Ziele. Sie möchte ein modernes, einladendes Stadtbild sowie eine produktive und sichere Stadt schaffen, die die historisch begründete gesellschaftliche Teilung überwindet.

 

Sie hat längst die Ärmel hoch gekrempelt, um die Idee nicht bei einem schönen Traum zu belassen. Frau de Lille und tausende, fleißige Organisatoren sorgen nicht nur für ein einjähriges Event, sie setzen Maßstäbe und legen die Saat für eine vielversprechende Zukunft.

 

Ich kann nur erahnen, wie emsig vor und hinter den Kulissen daran gearbeitet wird. Um diesen Artikel zu schreiben, benötigte ich die Erlaubnis, offizielle Fotos zu verwenden und schrieb dazu die PR-Chefin des Projekts Welt-Designhauptstadt 2014 an. Es war Sonntag, und binnen 30 Minuten (!) hatte ich eine verbindliche, herzliche Zusage von Mrs Priscilla Urquhart.

 

Ich hatte plötzlich den Gedanken, dass es alle Mitwirkenden mit Stolz erfüllen muss, beteiligt zu sein. Sicher ist dies so. An dieser Stelle ein dickes Dankeschön an die umfangreiche Unterstützung der PR Chefin Mrs Urquhart für www.wdccapetown2014.com und an Mrs Jenna van der Merve für www.eclipsepr.co.za !

 

Was erwartet den Besucher Kapstadts?

 

 

WDC dieser Name macht sich nicht nur gut auf dem Papier. Über 450 Veranstaltungen rund um Architektur, Stadtplanung, Innenarchitektur, nachhaltiges Design, Industriedesign und Kommunikationsdesign zeigen auf, wie Design genutzt werden kann, um das Leben in der Stadt deutlich zu verbessern. Bewohner und Besucher Kapstadts sind eingeladen, sich an diesen Events zu beteiligen und sich einzubringen.

Die sechs Schlüsselbereiche des Programms sind

 

  • Verbesserung des Lebens: Design im Bereich Mode, Kunst, Kultur, Sport und Freizeit
  • Verbindungen, die vereinen: Design, das die Kommunikation und den sozialen Zusammenhalt begünstigt
  • Wachstum durch Business: Design, das sich positiv auf die Wirtschaft auswirkt durch Innovation, neue Systeme und Unternehmertum
  • Nachhaltige Lösungen: Design, das die Effizienz in der Versorgung mit Nahrung, Energie und gewährleisten hilft
  • Fortschritt durch Bildung: Design, das Wissen weitertragen hilft durch Schulen, Ausbildung und Ausstellungen.
  • Starke Gemeinschaft: Design, das zu einer Verbesserung der Gesundheit, dem Wohnen, der urbanen Aufenthaltsqualität und der städtischen Entwicklung führt.

Im folgenden eine Auswahl einiger Events. Die offizielle Übersicht der Programm-Highlights ist hier als Programmdownload zu finden. Die offizielle Seite des Events lautet: www.wdccapetown2014.com

 

Die Facebook Fanpage ist hier zu finden.

Offizieller WDC Button – Bildrechte www.capetown2014.co.za

 

Wer bestimmt, welche Stadt WDC wird?

 

Die Weltdesignorganisation ICSID bestimmt, wer Welt-Designhauptstadt wird.

 

Die internationale, unabhängige Non-Profit-Organisation hat seit 2005 ihren Hauptsitz in Montreal, Canada. Ihr Ziel ist es, Industrie-Design als Mittel für weltweiten Fortschritt auf kultureller, gesellschaftlicher und finanzieller Ebene zu schützen und zu fördern. Ihr Engagement im Rahmen der Welt-Designhauptstadt ist nur eines von vielen Betätigungsfeldern.

Welche Städte können sich für den Titel WDC bewerben?

 

Grundsätzlich kann sich jede Stadt bewerben, die nachweislich Design als Bestandteil ihrer sozialen, kulturellen, ökonomischen Bemühungen einsetzt. Demnach muss es auch nicht zwingend eine Landeshauptstadt sein. Also hat es weder mit Größe noch mit Bekanntheitsgrad zu tun. Das nachweisbare und sichtbare Commitment zu Design allein zählt. Wer ein mal eine Absage erteilt bekommen hat, darf sich erneut bewerben, wer den Titel bereits inne hatte, nicht.

 

Der Anforderungskatalog umfasst knapp 40 Seiten, der Bewerbungsprozess vollzieht sich in sechs Stufen über einen Zeitraum von 8 Monaten. Ein relevantes Kriterium ist auch die Bereitschaft der Regierung, die Bewerbung und Umsetzung finanziell zu unterstützen. Nicht zuletzt ist relevant, ob diese Stadt willens ist, über ein Jahr ein attraktives Programm im Abgleich mit der ICSID auf die Beine zu stellen.

Was hat eine WDC von der Auszeichnung?

 

Zweifellos ist diese Auszeichnung und die damit zusammenhängenden Aktionen die Basis für:

 

– weltweite Sichtbarkeit in Bezug auf Kreativität und Innovationsfähigkeit
– Investitionen von Firmen und Privatleuten
– Besucher aus aller Welt
– Neue Partnerschaften, Netzwerke und Austausch mit anderen Städten
– Förderung der Identifikation der Bewohner mit ihrer Stadt
– Neues Wissen im Bereich Stadtplanung, Zukunftssicherung etc.
– Mehr Lebensqualität in der Stadt

Fotocredit: ©Sydelle Willow Smith Greenpop 5

Fazit und Ausblick

 

Wie schon bei der WM 2010 steht Kapstadt als internationaler Gastgeber erneut im Mittelpunkt des Interesses.

 

Sicher ist, dass hier Design öffentlich zugänglich gemacht wird, keiner elitären Schicht vorbehalten bleibt, bürgernah, am urbanen Leben orientiert, im Idealfall Schwarz und Weiß verbindend. Von gutem Design allein wird Südafrika nicht satt, dies mag ein Argument der Kritiker sein. Tatsache jedoch ist, dass alle Aktionen rund um mehr Lebensqualität und Ausrichtung auf eine lebenswerte Zukunft auch positive Auswirkungen auf die Grundversorgung aller haben.

 

Sicher ist auch, dass, wie schon 2010 bei der WM , urbane Verschiebungen, sprich umstrittene Umsiedlungen (u.a. District Six) zu Lasten der schwarzen Bevölkerung stattfinden. Als ich mit meinem Mann im November 2013 in Kapstadt war, kurz vor Mandelas Tod, kam just sein Film „Long Walk to Freedom“ in die südafrikanischen Kinos.

 

Er erzählt die Geschichte der Apartheid aus Mandelas Perspektive – eine Hommage an seinen Lebensinhalt, an seine Bestimmung, die ihn zu einem bedeutenden Staatsmann macht.

 

Jedenfalls saßen wir am Premierenabend dieses Films, der bereits monatelang vorher in den Medien beworben wurde, in einem riesigen Kinokomplex in Kapstadt. Die Schlangen vor den Kassen waren lang, es liefen zeitgleich auch viele amerikanische Blockbuster. Wir waren die einzigen Weißen in einem riesigen Kinosaal.

 

Der Film interessierte noch 5 weitere schwarze Zuschauer. Neben einigen wirklich nahegehenden Szenen im Film, der die Gewalt auf beiden Seiten beschrieb, war die Leere im Kino das, was mich am meisten erschütterte. Will man sich nicht mehr damit auseinandersetzen, möchte man wegsehen, weiß man schon alles? Möchte man nur noch nach vorne sehen anstatt zurück? Kurz darauf starb Mandela.

 

Design ist sicher in den Augen vieler ein Luxus. Doch Kapstadt ist zu wünschen, dass ganz viel Verständigung passiert, etwas zusammen wächst, Design demokratisch auf die Bühne am berühmten Tafelberg gelangt – mit so viel „Fair Play“ wie möglich!

 

Ich wünsche dieser wirklich beeindruckenden Metropole ebenso, dass alle Bevölkerungsteile davon profitieren, und dass durch den internationalen Austausch viele Türen aufgehen und Möglichkeiten langfristig entstehen, die für mehr Lebensqualität für alle sorgen.

 

Inzwischen wurde auch bekannt: Die WDC 2016 ist Taipeh

Was ist Design für Sie? Würden Sie eine Reise nach Kapstadt mit dem Besuch einiger dieser Veranstaltungen verbinden? Lesen Sie im 2. Teil der 4-teiligen Kapstadt-Serie, vom Charme einzelner Stadtteile Kapstadts, von einem einzigartigen Designhotel eines deutschen Auswanderers, von Pinguinen, die die Wärme mögen sowie von einem Ausflug ans Ende der Welt, an das Kap der Guten Hoffnung.

MARTINA VELMEDEN

Personal Branding für Lebens(t)räume

Als Interior Stylistin und Einrichtungsexpertin entwickle ich seit 18 Jahren Konzepte für persönliche Lebens(t)Räume – Räume mit einer einzigartigen Handschrift – einem Personal Branding.

Lassen Sie uns in einem unverbindlichen, kostenfreien ERSTGESPRÄCH gemeinsam herausfinden, wie ich Sie bei der Entwicklung Ihres Personal Brandings unterstützen darf.

Ich freue mich auf Ihre Nachricht. Martina Velmeden

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